Montag, 12. August 2013

Der Sachkundenachweis ("Hundeführerschein") seit Juli 2013 - Grund zur Sorge?



Mit dem Auslaufen der Übergangsfristen des Niedersächsischen Gesetzes über das Halten von Hunden (NHundG) zum 01.07.2013, ist er jetzt seit fast einem Jahr schon "in Betrieb" – der niedersächsische Hundeführerschein, genauer der „Sachkundenachweis nach §3 NHundG“.

Immer noch gibt es viele Fragen und Zweifel zum Sachkundenachweis. Die Kontrolle der Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Auch die kostenpflichtige Registrierung des Hundes im Zentralen Register sorgte seit letztem Jahr für Verärgerung, ist aber nach § 6 NHundG zwingend vorgeschrieben bzw. kann ein Unterlassen der Registrierung mit bis zu 10.000 Euro Strafe geahndet werden.



Ist die Aufregung umsonst? Vielleicht wird ja gar nicht kontrolliert? Vielleicht trifft man niemals auf einen Kontrolleur? Viele Hundebesitzer hadern und überlegen, ob sie die Prüfung überhaupt ablegen sollen. Leider kann es sehr, sehr teuer werden, wenn der Hund auffällig wird und kein Sachkundenachweis oder keine Registrierung vorliegen.

Ich habe nun als anerkannte Prüferin schon einige Prüfungen abgenommen und kann Sie beruhigen – mit ein bisschen Vorbereitung ist der Sachkundenachweis gut zu schaffen! Heute möchte ich Ihnen einen Überblick über Theorie und praktische Prüfung verschaffen und ein paar Tipps geben.

Der Hundehalter soll beweisen, dass er über theoretische und praktische Fähigkeiten verfügt, seinen Hund sicher und ohne Belästigung oder Gefährdung anderer Personen oder Tiere in der Öffentlichkeit zu führen – also Mindestanforderungen nachweist.


Die Theorieprüfung:

Wenn Prüflinge die Theorieprüfung ablegen, fällt mir immer wieder auf, dass Vorbereitungsliteratur, die aus Fragenkatalogen besteht, scheinbar ungünstig ist. Viele Menschen sind irritiert, wenn plötzlich andere Fragen als die gelernten in der Prüfung vorkommen – und es sind  in der Tat einige andere Fragen als in den Büchern mit Frage- und Antwortteilen und auch andere Fragen als in den kostenlos verfügbaren Fragenkatalogen im Internet.

Die seit dem 01.07.2013 in Niedersachsen zu absolvierende Theorieprüfung unterscheidet sich grundlegend von anderen theoretischen Prüfungsvarianten wie z. B. derer des BHV, VDH /BH oder auch des DOQ-Test2.0. Bei den Theorieprüfungen der genannten Verbände sind immer Mehrfachnennungen bei der Beantwortung der Fragen möglich; bei der Prüfungsvariante des Ministeriums erhält man aus fünf Teilgebieten jeweils sieben Fragen mit vier Antwortmöglichkeiten, von welchen nur eine Antwort richtig ist.

Die Fragenkataloge mit Multiple Choice - Fragen verwirren viele Hundebesitzer und oft besteht die Vorbereitung in einem Auswendiglernen der Antworten – das ist schlecht, wenn dann andere Fragen kommen. Sie können die Fragenkataloge jedoch gut zur Überprüfung Ihres Wissens benutzen, zum Lernen selbst scheinen sie nicht so gut geeignet zu sein.
  
Ich empfehle das Buch „Sachkunde für Hundehalter“- Vorbereitung auf den DOQ-Test 2.0 und andere Hundeführerscheine aus dem KynosVerlag zur Prüfungsvorbereitung. Hier sind keine Fragen aufgelistet, sondern die Sachverhalte sind in Textform dargelegt.
Auch das NMELF stellt ein paar Prüfungsfragen auf der Homepage zur Verfügung, hier können Sie üben.

Die neue Prüfung ist durch die Umstellung auf nur eine Antwortmöglichkeit weniger verwirrend. Es gibt nach Abschluss der theoretischen Prüfung direkt die Möglichkeit,  nicht korrekt beantwortete Fragen nochmals  mit dem Prüfling durchzusprechen und zu erklären. Bei einigen anderen Testvarianten war und ist eine nachträgliche Einsicht in die beantworteten Fragen nach Abschluss der Prüfung teilweise nicht möglich.

Laut dem NMELF galten alle anderen Theorieprüfungen eine zeitlang als formal nicht anerkannt, mittlerweile, seit Juni 2014, sind z.B. ein in Theorie und Praxis erfolgreich abgelegter DOQ-Test 2.0 oder auch der Hundeführerschein des BHV auch als Sachkundenachweis nach § 3 NHundG gültig.

Die praktische Prüfung:

Die praktische Prüfung ist meines Erachtens gut zu absolvieren – insbesondere für verantwortungsvolle, achtsame und vorausschauende Hundebesitzer ist sie problemlos abzulegen. Das Führen eines Hundes in der Öffentlichkeit ohne Gefährdung oder Belästigung Dritter sollte doch zu den Mindestanforderungen der Hundehaltung gehören.

Auch hier kann ein wenig Vorbereitung gut helfen, schlicht auch, um sich als Hundebesitzer selbst in den Situationen gut zurecht zu finden und am Prüfungstag trotz der Aufregung so besonnen wie im Alltag reagieren zu können. Dinge und Situationen, die geübt wurden, sind besser zu meistern, als Situationen, welche völlig neu und unbekannt für Hund und Halter sind.

Foto: Sabine Gurol
Es soll im Großen und Ganzen der Hundebesitzer überprüft werden; der Hund natürlich auch, aber geachtet wird vornehmlich auf den „menschlichen Prüfling“.
In der Prüfung soll der Mensch also seine in der zuvor bestandenen Theorieprüfung nachgewiesenen theoretischen Kenntnisse und Fähigkeiten praktisch anwenden – der Hundehalter soll beweisen, dass er Gefahrensituationen erkennen und verhindern kann.
Der Prüfer ist verpflichtet, genau schriftlich zu dokumentieren (insbesondere das Verhalten des Hundes und wie gut der Besitzer den Hund kontrollieren kann),  die Dokumentation ist aufzubewahren.  


Im ablenkungsarmen Bereich, beispielsweise einer Grünanlage oder einem Park, werden bestimmte Punkte (s.u.) abgehandelt und eingefordert. Der ganze Ablauf soll den Charakter eines Spazierganges bzw. ganz regulärer Alltagssituationen haben. Der Hundehalter kann diesen Abschnitt auch angeleint absolvieren, aber auch ohne Leine arbeiten, sofern das Gebiet es zulässt. 

 
Es sind neben dem Handling am Hund verschiedene Signale (Rückruf, Sitz, Platz, Bleiben, Steh) vorgesehen, aber auch das Verhalten und der Einfluss des Besitzers auf seinen Hund im Zusammenhang mit dem Treffen von Passanten, Hunden, Joggern, Skatern, Spaziergängern, Kindern etc. Es wird das sichere Führen des Hundes ohne Belästigung, Behinderung oder Gefährdung von Personen oder Tieren überprüft und bewertet. Der ablenkungsarme Bereich beinhaltet sieben einzelne Prüfungssituationen.

In der Stadtgebiet-Prüfung, die durchweg angeleint durchgeführt werden muss, werden das Gehen an und Überqueren von stark befahrenen Straßen überprüft, auch das Zusammentreffen mit Passanten, Radfahrern, Kinderwagen, Personen / Menschengruppen wird hier beurteilt. Wichtig ist im Stadtgebiet, dass neben dem sicheren Führen ohne Belästigung, Behinderung oder Gefährdung Dritter auch der Straßenverkehr nicht gefährdet werden soll. Die Stadtteilprüfung beinhaltet vier einzelne Prüfungssituationen.

  
Von den elf einzelnen Prüfungssituationen müssen mindestens sechs bestanden werden, andernfalls wurde die Prüfung nicht erfolgreich absolviert.

Die Prüfung gilt ebenfalls als nicht bestanden, wenn der Hund den Halter, Prüfer oder andere Personen angreift, sich minutenlang nicht mehr kontrollieren lässt oder andere Hunde massiv belästigt, bedroht oder angreift. Der menschliche Part kann ebenfalls durchfallen, wenn er körperliche Härte gegenüber seinem Hund zeigt, sich anderen Personen gegenüber rücksichtslos verhält oder aber andere Hunde durch Grobheiten, Treten und Schlagen von seinem Hund fernhalten will.

Hilfsmittel, wie Belohnungen, Spielzeug etc. sind immer erlaubt und auch nicht sozialverträgliche Hunde können zur Prüfung antreten, allerdings wird bei nicht verträglichen Hunden im besonderen Maße darauf geachtet, wie gut der Hundehalter Einfluss nehmen kann und wie gut er seinen Hund einschätzt – insbesondere im Zusammenhang mit der Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zu Passanten oder Hunden.


Es wird oft kritisiert, dass die praktische Prüfung nicht mit dem eigenen Hund abgelegt werden muss.
Im Grunde wird der Halter überprüft, weniger der Hund. Zudem muss vermerkt werden, dass es nicht der eigene Hund ist (der Prüfling muss unterzeichnen, die Prüfung ist bei Fehlangaben nicht gültig).
Bislang hat von „meinen“ Prüflingen noch niemand einen Fremdhund organisiert und ich nehme an, dass dies die Prüfung eher nachteilig beeinflussen könnte. Ein fremder Hund arbeitet eventuell nicht so gut wie der eigene Hund und auch ein nicht sozialverträglicher Hund kann die Prüfung bestehen, wenn der Halter in besonderem Maße deutlich macht, dass er seinen Hund und Gefahrensituationen gut einschätzen kann. Sie müssen sich doch keinen Hund zur Prüfung „borgen“, das schaffen Sie bestimmt nach ein wenig Übung auch gut mit dem eigenen Hund!

Die Hundeschule „An der Leine“ und die Tierärztliche Praxis für Verhaltenstherapie bieten sowohl Vorbereitungskurse (Fortgeschrittenenkurs) als auch Einzeltermine zur Beratung zum Sachkundenachweis nach § 3 NHundG an. Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob Ihre praktischen Fähigkeiten ausreichen, so können wir auch an einem Einzeltermin eine Prüfungssituation durchspielen und Ihre ganz persönlichen „Problembereiche“ trainieren. Auch zum DOQ-Test 2.0 und dem Bayerischen Hundeführerschein sowie zur Prüfung zur Freilaufgenehmigung für die Stadt Hannover können wir Sie nach Terminvereinbarung beraten.
Hier haben wir sehr viele Möglichkeiten, scheuen Sie sich nicht, uns zu kontaktieren. 


Nach dem Gesetz darf die Hundehaltung seit dem 01.07.2013 erst nach einer erfolgreich abgelegten Theorieprüfung aufgenommen werden. Für die Abnahme der Theorieprüfung können Sie gerne einen Termin vereinbaren und die Prüfung in meiner Praxis absolvieren. Zu Literatur berate ich Sie ebenfalls gerne.

Also keine Angst, es ist machbar und wir helfen Ihnen gerne bei der Prüfungsvorbereitung!

Wir bieten auch zum Erwerb der Freilaufgenehmigung für Hannover geeignete Trainingstermine und Übungsmöglichkeiten an. Die praktische Prüfung ist deutlich anspruchsvoller als der Sachkundenachweis, aber auch hier können Sie sich gerne mit uns zusammen vorbereiten. 
Ein gut erzogener Hund kann auch viele Freiheiten haben - Sie können sich auf Ihn verlassen.

Dienstag, 28. Mai 2013

Hundeführerschein / Sachkundenachweis - jetzt wird es ernst!


Bereits in früheren Blogpostings habe ich über den Niedersächsischen "Hundeführerschein", also den Sachkundenachweis für Hundehalter nach dem Niedersächsischen Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG), geschrieben.

Ab dem 01.07.2013 ist die Übergangsfrist des NHundG zu Ende, dann besteht für alle Neuhundehalter (jeder, der innerhalb der letzten zehn Jahre nicht für mindestens zwei Jahre einen Hund gehalten hatte und dies durch entsprechende Meldebescheinigungen der Gemeinde belegen kann) die Pflicht, die so genannte Sachkunde durch eine theoretische und praktische Prüfung nachzuweisen.

Bislang herrschte große Aufregung, niemand wusste so recht, wie alles vonstatten gehen wird, zumal es bis zum 1. Juli nicht mehr so lange hin ist. Auch in meiner Praxis und Hundeschule wurde häufig nachgefragt.


Nun gibt es endlich genauere und verbindliche Informationen auf der Seite des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Besonders wichtig für betroffene Hundehalter sind die auf der Website des Ministeriums veröffentlichten FAQs, hier werden die wichtigsten Fragen beantwortet.

Zudem gibt es dort eine Literaturliste zur Vorbereitung auf die Theorieprüfung sowie eine Prüferliste, bei welchen die praktische Prüfung abgelegt werden kann.

Ab dem 01.07.2013 müssen zudem alle Hunde im Zentralen Register gemeldet werden. Die Anmeldung kann online erfolgen und kostet ca. 14 Euro, sie ist aber auch telefonisch möglich. Nähere Informationen finden sich hier , eine Registrierung ist dort ab Mitte Juni 2013 möglich.  
Achtung, Hunde, die zum 01.07.2013 älter als sechs Monate sind, müssen bis spätestens 01.August im Hundezentralregister gemeldet sein!

Ziel des Sachkundenachweises ist, dass ein Hundehalter nachweisen kann, dass er in der Lage ist, einen Hund sicher und ohne Belästigung, Bedrohung oder Gefährdung Dritter in der Öffentlichkeit zu führen. Es wird also eher der Hundehalter denn der Hund geprüft, deshalb ist es auch möglich, die praktische Prüfung mit einem anderen Hund als dem eigenen abzulegen (Hierüber ließe sich streiten, ich persönlich fände es sinnvoller, wenn der Halter des jeweiligen Hundes auch mit eben diesem gut klar kommt - aber es ist möglich. Eine Prüfung kann also auch mit einem "Leihhund" absolviert werden).


Es gibt viele Diskussionen um das Für und Wider des Hundeführerscheins, aber es hilft alles nichts, jetzt ist das Gesetz da und wir müssen uns danach richten. 

Im Grunde ist die Regelung in Niedersachsen besser als in anderen Bundesländern, denn die sonst üblichen Rasselisten geben keinen Hinweis auf ein gesteigertes Aggressionspotential - das ist mittlerweile hinreichend bekannt und wissenschaftlich nachgewiesen. In manchen Bundesländern gilt die (meines Erachtens wirklich ungerechte) 20 - 40 - Regelung, nach welcher Hunde über 20 Kilogramm Körpergewicht und mit mehr als 40 cm Widerristhöhe immer angeleint geführt werden müssen sowie die Pflicht des Sachkundenachweises nur für Halter großer Hunde.
In Niedersachsen wird der Sachkundenachweis nicht von der gehaltenen Rasse oder deren Größe abhängig gemacht.

Die Tierärztliche Praxis für Verhaltenstherapie und Hundeschule "An der Leine" ist berechtigt, Theorie- und praktische Prüfungen abzunehmen. Genauere Informationen zum Ablauf der jeweiligen Prüfungen können Sie gerne bei mir erhalten, ich bitte um Terminvereinbarung. Eine Prüfung ist selbstverständlich auch ohne vorherige Kursteilnahme möglich, entsprechende Kurse werden von uns und von anderen Hundeschulen aber ebenfalls angeboten.

Informationen zur Prüfung finden sich auch hier unter "Theorieprüfung und praktische Prüfung Hundeführerschein / Sachkundenachweis".

Viel Erfolg und viel Glück!











Montag, 6. Mai 2013

Zurück in die Steinzeit?



Haben körperliche Strafen in der Hundeerziehung ihre Berechtigung und ist ein freundliches oder zumindest neutrales Training langwierig und ineffektiv? Ist es lächerlich, einen Hund mittels positiver Verstärkung zu trainieren? Braucht es mehr Härte in der Hundeerziehung, wenn auch vielleicht nur ab und zu? Wieder wie früher?

Immer wieder wird Ähnliches von Trainern geäußert, wenn sie sich für ihre groben Trainingsmethoden rechtfertigen wollen.

Den Kunden und deren Tieren gegenüber ist es meiner Meinung nach nur korrekt, die aktuellen Erkenntnisse anzuwenden und zu begründen, warum physische Bestrafung keine geeignete Trainingsform ist, statt einfach auf den Hund (oder die Katze, den Hamster, den Papagei oder das Kaninchen) draufzuhauen, Verhalten nur abzubrechen, statt zu verändern und dieses den Tierbesitzern, die Hilfe suchen, auch noch zu empfehlen. 


Oft ist doch das vorherige Training über physische Strafen ein häufiger Grund, weshalb der Trainer aus der „Wattebauschfraktion“ seine „Patienten“ unter Umständen länger betreuen muss.
Wenn so trainierte Hunde zur Verhaltenstherapie kommen, muss man nicht nur bei null, sondern meist tief im Minusbereich ansetzen. Fachlich korrekt oder effektiv gearbeitet haben Trainer, die physische Strafen einsetzen, nicht, denn der Hund ist jetzt oft erst richtig problematisch und zur Gefahr geworden – spätestens dann, wenn er sich gegen seinen Besitzer oder das Umfeld richtet (ein Risiko beim Einsatz von physischer Bestrafung). Viele Hunde haben aufgrund fehlerhaften Trainings über physische und psychische Bedrohung und Gewalt Probleme erst entwickelt!

Zum Totschlagargument „Drohende Einschläferung“ noch ein paar Worte: Insbesondere Hunde mit aggressiven Verhaltensweisen, sollten, da sie oft aufgrund des vormals fehlerhaften Trainings und/oder  aufgrund von Versäumnissen Probleme erst bekommen haben oder weil körperliche Ursachen vorliegen, nicht über positive Bestrafung gearbeitet werden. Innerhalb der Extremsituation befindet sich das Hundegehirn im Überlebensmodus, alle Alarmsysteme sind aktiv. Das Training muss vorher ansetzen, in Situationen, in welchen eine Eskalation noch entfernt ist. Eine Verhaltensveränderung kann nur außerhalb von Extremsituationen erreicht werden und muss dann in Richtung Problemsituation erweitert werden – das ist auch beim Menschen so. Warum nur gestehen sich manche Menschen ständige Ausraster und hoch emotionale Reaktionen zu und sehen selbst nicht, dass sie innerhalb dieser Situationen gar nicht in der Lage sind, anders zu reagieren oder überhaupt noch zu denken? Der Besitzer zeigt diese Unkontrollierbarkeit der eigenen Emotionen (mit Würgen, Schreien oder Schlagen des Hundes) oft gerade dann, wenn der Hund unangemessen reagiert. Dem Hund jedoch wird Emotionalität abgesprochen…er soll wie eine Maschine funktionieren, zu jeder Zeit. Nur, wer von beiden wäre denn  aufgrund seiner geistigen Leistungsfähigkeit überhaupt in der Lage, sich besser zu kontrollieren – Hund oder Mensch?  


Auch „Wattebauschtrainer“ haben häufig mit Aggression bei Hunden zu tun und auch wir trainieren überwiegend im Alltag mit den Auslösereizen (und nicht, wie so oft behauptet wird, nur in unrealistischen gestellten Situationen). Nur arbeiten wir nicht so, dass wir die Hunde direkt und unvorbereitet mitten in die für sie als gefährlich empfundene Situation zerren und dann physisch bestrafen, wenn sie – vorhersehbar! – unangemessen reagieren.  
Es gibt auch pathologische Formen von Aggression aufgrund körperlicher Ursachen. Ein Einsatz von Strafe ist hier ganz besonders falsch, unethisch und kontraproduktiv, denn der Strafende dringt vor allem in kritischen Situationen definitiv nicht dorthin vor, wo Lernen noch möglich wäre. Auch nicht, wenn der Trainer einen Schmerzreiz erzeugt – hierdurch wird nichts gelernt und auch durch das Erschrecken oder Zufügen von Schmerzen wird ein Hund nicht ansprechbarer, denn zusätzliche Empfindungen  kommen hinzu: Angst und Schmerzen. Ein ängstliches Tier oder ein Tier mit Schmerzen ist doch nicht ansprechbarer, als ein Tier, welches in einer von ihm als bedrohlich empfundenen Situation aggressiv reagiert. Das kann als Begründung nicht gelten.

Mir drängt sich immer wieder die Frage auf, was in den Köpfen im Hinblick auf moralische Vorstellungen vorgeht. Darf ich denn, wenn es bessere, effektivere und freundliche, hundegerechte Möglichkeiten gibt, als verantwortungsvoller Hundebesitzer physische Bestrafung einsetzen? Muss ich nicht auch überlegen, gerade dann, wenn ich Verantwortung für ein Lebewesen übernommen habe, wie ich Dinge dauerhaft ändern kann, ohne dass ich meinem Schutzbefohlenen gegenüber grob werde oder ihn erschrecke? Wo habe ich selbst Fehler gemacht, habe ich einen Beitrag zum Fehlverhalten geleistet und darf ich den Hund dafür strafen? Kann ich mein Handeln mit meinen moralischen Ansprüchen in Einklang bringen? Darf ich als Trainer meinen Kunden Gewalt anraten, wenn es auch anders und dauerhafter geht?  

Nun aber zur Kernfrage: Ist das „Wattebauschtraining“ eigentlich wirklich so soft und ist es wirklich nicht effektiv und dabei noch langwierig?

Jetzt kommen die  – Achtung, das böse Wort! – Lerngesetze bei Hunden wieder ins Spiel und wollen praktisch umgesetzt werden, sie gelten auch für Trainingsformen mit physischer Bestrafung, so sehr dies oft verleugnet und belächelt wird. 


So viel vorweg und ganz neutral: alle vier Quadranten, also positive und negative Verstärkung sowie positive und negative Strafe funktionieren! Alle vier Wege führen also zu einem Effekt. Es lassen sich für alle Wege der operanten Konditionierung noch einmal detaillierte Regeln aufstellen.
Für die positive Bestrafung müssten, um eine Wirkung zu ermöglichen, die Folgenden eingehalten werden:
·        Strafe muss etwas sein, was der Hund nicht mag und nicht erwartet und muss biologisch nachvollziehbar für den Hund sein
·        Strafe muss das Verhalten unterdrücken, sonst ist ihr Einsatz ineffektiv
·        Die Strafe sollte mit dem Verhalten, aber nicht mit dem Anwender oder Umgebungsreizen assoziiert werden
·        Strafe muss zeitnah erfolgen (innerhalb von 0,5 bis 1 Sekunde) und jedes Mal erfolgen, wenn das unerwünschte Verhalten gezeigt wird.
·        Strafe muss sofort so stark sein, dass das unerwünschte Verhalten beendet wird, darf aber nicht so stark sein, dass es zur Traumatisierung des Individuums kommt.
·        Es muss immer Alternativen für den Hund geben, die Strafe zu umgehen und der Strafeinsatz sollte niemals den Hauptbestandteil der angewandten Lerngesetze und Trainingsmethoden ausmachen.

Alle diese oben angeführten Regeln einzuhalten, schafft weder ein Trainer noch ein Hundebesitzer, der positive Strafe anwendet! Es ist technisch nicht machbar (spätestens dann, wenn es um die Assoziationen und das Einhalten der Regelmäßigkeit geht) und es ist auf dieser Grundlage fast ignorant, einen Einsatz positiver Bestrafung zu befürworten!
Ganz besonders verwirrend und somit verunsichernd für Hunde ist übrigens eine Kombination aus positiver Strafe und Belohnung – hier wird versucht, das Nichteinhalten der obigen Regeln durch (meist sparsame) Belohnungen wieder wettzumachen. Für Hunde ist diese  „Jekyll-und-Hyde-Methode“ ganz besonders schlecht zu verstehen, der Besitzer wird aus Hundesicht unberechenbar, der Hund ist im Dauerstress.  

Worauf sollte denn (wir sind mittlerweile in 2013 angekommen!) ein Training auf aktuellem Stand basieren?

In erster Linie sollte die positive Verstärkung eingesetzt werden: dies bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit oder Häufigkeit für das Ausführen einer bestimmten Verhaltensweise durch Hinzufügen eines für den Hund angenehmen Reizes erhöht wird. Der Anteil „positive Verstärkung“ ist derjenige, der nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft den höchsten prozentualen Anteil des Trainings ausmachen sollte (im Idealfall über 95%). Es gibt Trainer und Hundehalter, die sehr nahe an der 100%-Marke trainieren; es werden gezielt alle Verhaltensweisen verstärkt, die  nicht das unerwünschte Verhalten sind.

Manchmal wird vielleicht noch die negative Bestrafung benötigt oder ergibt sich im Training und Alltag, allerdings hoffentlich eher selten und nur ganz kurzfristig. Negative Bestrafung bedeutet, dass ein Verhalten seltener auftritt, weil ein für den Hund angenehmer Reiz entfernt wird, z.B. eine Belohnung bleibt aus oder ein zu grobes Spiel wird unterbrochen, indem der Hundebesitzer kurz weggeht.
Es sollte schnell daran gearbeitet werden, richtige Verhaltensalternativen zu bestärken und zu betonen, statt stets negative Bestrafung einzusetzen.

In manchen Fällen, z.B. bei reaktiven Hunden, kann ein entsprechend aus- und weitergebildeter Trainer oder Besitzer negative Verstärkung einsetzen. Das Entfernen eines unangenehmen Reizes wirkt hier verstärkend. Wenn diese Trainingsform bei bestimmten Hunden eingesetzt wird, sollte sie unbedingt fachlich korrekt in einen Trainingsplan eingebaut sein, zu Beginn mit positiver Verstärkung kombiniert werden und stufenweise erfolgen, damit der Hund bewusst die richtige Alternative wählt. Dann ist auch negative Verstärkung sehr effektiv.


Jeder Hundebesitzer und jeder Trainer kann zusätzliche Managementmaßnahmen, mit welchen durch Planung im Vorfeld verhindert wird, dass ein gefährdendes oder unangemessenes Verhalten auftritt, einsetzen. Ein alleiniges Management bringt allerdings wenig, denn es verhindert, verbessert oder verändert aber nicht. Kritische Stimmen werden jetzt vermutlich anmerken, dass eine Managementmaßnahme auch eine Bestrafung ist – nein, denn sie wird ja zur Verhinderung (also vor einem Verhalten) und nicht als Konsequenz einer Verhaltensweise eingesetzt. Wenn sie eine Konsequenz wäre, dann wäre das Timing ziemlich bescheiden. Und Leinenrucken, Würgen, Zwicken oder Schlagen ist nun mal kein Management, das ist positive Bestrafung.

Die positive Bestrafung, wird bei einem Trainer / Hundebesitzer, der über positive Verstärkung arbeitet, weggelassen. Er/Sie beruft sich dabei auf Erkenntnisse aus der Forschung. Die Quadranten negative Verstärkung und negative Bestrafung werden sehr selten oder gar nicht eingesetzt; den höchsten Anteil macht die positive Verstärkung aus.
 
Im Grunde ist das Arbeiten über positive Verstärkung nichts Lächerliches, es ist eine logische und ernsthafte Methode und weit vom „Heiteitei“ entfernt:
Der Anwender positiver Verstärkung ist so gut informiert und hat entsprechende Trainingsfähigkeiten, dass er Verhaltensweisen seines Hundes, die er sehen möchte, formen und festigen kann – und der Hund findet das auch noch super, denn es zahlt sich für ihn aus und er arbeitet gerne.
Manche „Gegner“ behaupten, die Hunde werden manipuliert und sind willenlos, man spräche ihnen das Denken ab. Willenlos sind sie definitiv nicht, sie werden so trainiert, dass sie das Gefühl haben, sie könnten ihrerseits den Menschen beeinflussen, indem sie Verhalten anbieten; diese Hunde wollen arbeiten, sind stark motiviert und sehr kreativ. Der Trainer oder Hundebesitzer hat die Kontrolle über Verstärkung und fördert das gewünschte Verhalten, statt falsche Verhaltensweisen stets unterbinden zu müssen.  
Und es ist tatsächlich so, dass die Hunde hier gerne und freudig trainieren. Und nein, sie sind nicht „nur dressiert“, denn sie bieten selbständig Verhaltensweisen an. Niemand spricht dem Hund das Denken ab, denn genau dies möchte ein guter Trainer und/ oder Hundebesitzer haben – einen denkenden Hund, nur so ist ein Fortschritt im Training möglich und der Hund ist wirklich ausgelastet.
Auch bzw. vor allem aggressive Hunde können und sollten über eine Verstärkung des richtigen Verhaltens gearbeitet werden, unter Umständen muss jedoch Zeit und Geduld aufgewendet werden, um das Vertrauen wieder herzustellen.
Ein Training von Hunden ist durchaus ohne positive Bestrafung möglich. Und außerhalb der Trainingseinheiten möchte man doch auf der Basis von Vertrauen und einer guten Bindung mit dem Hund zusammenleben und die Zeit genießen können.

Oft wird argumentiert, alle Erkenntnisse über das Lernen mit den entsprechenden Gesetzen wären spätestens dann nicht mehr relevant, wenn es um "soziales Lernen" bei Hunden ginge. Doch, denn auch beim Lernen im sozialen Umfeld finden Gewöhnung, Sensibilisierung, klassische Konditionierung, positive und negative Verstärkung und Bestrafung sowie Beobachtungslernen statt. 
Über höhere kognitive Fähigkeiten bei Hunden wissen wir aktuell zu wenig, um diese Ebene direkt ansprechen zu können. Deshalb müssen wir mit den Möglichkeiten arbeiten, die wir haben und unnötige Trainingselemente vermeiden. 

Übrigens kann beim Shaping oder „Freien Formen“, der hohen Schule des Trainings mit Marker- oder Brückensignalen, sogar die Körpersprache des Hundes so trainiert werden, dass man z.B. das Schwanzwedeln oder eine Spielaufforderung unter Signal stellen und abrufbar machen kann. Beim Targettraining, einer anderen Trainingsform auf derselben Basis, kann ein Hund lernen, das Licht einzuschalten, Türen zu öffnen oder zu schließen und vieles mehr.
Wären diese Punkte über Bestrafung der nicht gewünschten Verhaltensweisen trainierbar? Definitiv nicht.

In diesem Sinne – fördern Sie Verhalten, welches Sie sehen wollen und seien Sie ein guter Lehrer!

Donnerstag, 7. März 2013

Über das Arbeiten mit Hunden und Menschen


Heute schreibe ich über ein persönliches (und emotionales) Thema und möchte ein kleines Resumee einiger Jahre Arbeit mit Hunden und ihren Menschen ziehen. Freud und Leid des Hundetrainers also, Einblicke, warum ich so arbeite, wie ich arbeite und was manchmal unschön ist. Warum mir so am Herzen liegt, dass Hunde (wirklich) gewaltfrei trainiert werden.

Das Arbeiten mit Hunden und Menschen kann traumhaft sein und wahnsinnigen Spaß machen, vor allem, wenn Erfolge zu verzeichnen sind und man helfen kann. Hierzu muss man sehr viel Ideologie mitbringen, aber es macht auch (!) den Trainer sehr glücklich, wenn z.B. ein Hund, der über Jahre aggressiv gegenüber anderen Hunden reagiert hat, nach Trainingsstunden mit einer gewaltfreien, durchdachten Methode unter Beachtung der Lerngesetze plötzlich bemerkt, dass es auch anders geht, weil er endlich Alternativen lernen durfte und Unterstützung für das angemessene Verhalten von seinem Besitzer erfährt. Wenn entfremdete Hund-Halter-Teams wieder zusammenwachsen und wieder Freude aneinander haben.
Wenn man einen Hund durch Training, durch Verhaltensmodifikation, durch Verhaltensmedizin vor dem Tierheim oder der Einschläferung bewahren kann (die drohende Einschläferung wird leider oft als Argument für Gewalt und Strafe gebracht – glauben Sie mir, ein effektives Training zur Verhaltensmodifikation kann nur mit dem Einsatz von positiver Verstärkung auf wissenschaftlichen Weg funktionieren – auch eine bevorstehende Einschläferung kann und darf nie eine Rechtfertigung für Schmerzen und Leid beim Tier darstellen!).
Oder die Freude in den Augen der Besitzer, die ihren Hund nach einer Odyssee durch verschiedene Hundeschulen oder Trainerhände schon verloren geglaubt haben, wenn ein neuer, freundlicher und durchdachter Trainingsansatz zu ersten und weiteren Erfolgen führt. Wenn die Menschen wieder wohlwollend gegenüber ihren Hunden sein dürfen und sollen, wenn sie den Auftrag bekommen, vor allem richtiges und angemessenes Verhalten wahrzunehmen, zu markieren und zu fördern, statt bei Fehlern grob werden zu müssen. Wenn sie auch mal Spaß an ihrem Hund haben dürfen. Das macht sehr euphorisch und glücklich und ich möchte dies auch keinen Moment missen – dafür arbeite ich, dafür bilde ich mich fort und lerne stets weiter.

Schön sind auch die Stunden in der Hundeschule, wenn den Hundebesitzern sinnvolles „Handwerkszeug“ für das tägliche Leben und für freundliches Lernen und Miteinander mit auf den Weg gegeben werden kann, die Teilnehmer weiterkommen und mit Spaß und Freude üben. Wenn die Hunde ihre Besitzer beim Training „anstrahlen“ und sich freuen, dass sie arbeiten dürfen. Wenn die Menschen besser verstehen, wie Hunde „gestrickt“ sind. Wenn die Entwicklung eines Hundes vom Welpen bis zum Erwachsenen mit verfolgt werden kann und sich ein toller, entspannter Hund entwickelt. Wenn Hundebesitzer merken, wie viel Spaß ein positives Training bringt, wie schnell und erfolgreich sie sein können und wie einfach es sein kann. Wenn die Hunde Spaß am Arbeiten mit ihren Menschen haben. Das ist wunderbar. Dann liebe ich diesen Job.
Schön finde ich auch, selbst offen zu bleiben und neue Trainingsmöglichkeiten zu lernen – und wenn diese dann auch effektiv sind. Man lernt nie aus und es macht glücklich, neue Ansätze kennen zu lernen, die das eigene Arbeiten und die eigenen Kenntnisse erweitern. Da ist allerdings auch viel Selbstinitiative gefragt; sich auf „langjähriger Erfahrung“ auszuruhen finde ich nicht richtig. Vor allem, wenn man bedenkt, wie sich das Arbeiten mit Hunden alleine in den letzten zehn Jahren geändert hat.
Wenn Hunde den Trainer auch nach Jahren wiedererkennen und sich „einen Ast freuen“, wenn Hundebesitzer berichten, dass die Hunde im Auto protestieren, wenn man am außerhalb der Trainingszeiten am Trainingsplatz vorbeifährt, wenn man viele nette und sympathische Menschen durch die Arbeit kennen lernen darf. Das ist das Schöne an der Arbeit.


Aber – es gibt auch traurige und frustrierende Momente, Menschen und Situationen, die wütend oder hilflos machen, Dinge, die auf die Nerven gehen.

Fremde Hunde im Alltag und auf Spaziergängen zu sehen, die versuchen, mit ihren Menschen zu „sprechen“, die nachfragen, die auf ein Feedback hoffen und doch keine Antworten bekommen. Die zeigen, wie sehr sie die Situation, aus der sie nicht entkommen können, stresst, aber der Mensch nimmt das Wortlose leider nicht wahr.  
Man sieht mit ganz anderen Augen, die berufsbedingt darauf geschult sind, Hunde zu lesen und zu beobachten. Man kann dieses „Lesen“ nicht abstellen, auch nicht am Wochenende oder in der Freizeit, auch nicht bei fremden Hunden und das kann manchmal belastend sein. Nicht selten sieht man Angst, Unsicherheit und Furcht in Mimik und Körpersprache, wenn der Hund in der Nähe „seiner“ Menschen ist – das finde ich besonders schlimm.

Oder man beobachtet Hunde, die gelernt haben, andere Hunde zu bedrängen und bedrohen, weil ihnen ihre Menschen nicht beigebracht haben, wie man mit Hunden „höflich“ Kontakt aufnimmt. Für den ruppigen Hund selbst ist es ebenso ätzend, da er sich leider nur unfreundlich verhalten kann und er stets Gefahr läuft, in Beißereien zu geraten. Menschen, die ihre freilaufenden Hunde in fremde Trainingsgruppen oder auf einen angeleinten Hund zu poltern lassen.

Hundehalter und Trainer, die aversive Methoden anwenden. Trainer, die mit „gewaltfrei“ werben und dann doch nicht entsprechend arbeiten –nur schnell aufgesprungen auf den Zug, es zieht heutzutage einfach besser! Hundebesitzer, die manchmal aufgeben, weil irgendein Bekannter meint, ein strukturiertes, auf positiver Verstärkung basierendes Training würde nichts bringen oder viel zu lange dauern – meist wird schlicht zu selten trainiert und der Hund ist der Leidtragende. Hundebesitzer, die die Trainer oder Hundeschulen wie Unterwäsche wechseln und dem Hund nie die Chance geben, ein stabiles Verhalten zu erlernen; Hundebesitzer, die nach einem Termin nicht mehr weiter üben, weil sie sich nur Absolution holen wollten und im Grunde gar keinen Willen zum Training hatten („ ich war ja einmal beim Trainer, das hat nichts gebracht“). Wenn die „dunkle Seite“ gewinnt.

Dieses ewige „Bloß nicht motivieren, bloß nicht belohnen, bloß nicht loben, bloß keine „Wattebäusche“ werfen, um Gottes Willen, wie kann man nur freundlich zum Hund sein? „Waaas, dein Hund darf …?“   der Hund muss doch alles aus Respekt machen, man muss Rudelführer sein, „soziales Lernen“…was bin ich es leid und was kann ich es nicht mehr hören!

Einer der schlimmsten Anblicke ist ein Hund, der sich aufgegeben hat, der kein Verhalten mehr anbietet, der kaum zu motivieren ist…meist sind dies Hunde, die mit Strafen und Gewalt trainiert wurden oder anderweitig traumatisierte Hunde. Dieser Anblick ist sehr traurig und oft ist es schwierig, diese Hunde wieder zugänglich zu machen. Vielleicht bin ich zu emotional, aber gerade Empathie (mit Hund und Mensch) muss meines Erachtens bei Trainern vorhanden sein.

Diese ganzen beschönigenden Begriffe für Bullshit: ein Leinenruck wird zum „tickeln“, zur „Welle“, zum „Arrete“; zum „Impuls“;  ein ständiges Kneifen des Hundes wird damit abgetan, dass Hunde das ebenso machen würden, „Schon-Ruck-Halsbänder“ für Stachelwürger mit Noppen, „Anti-Bell-Halsband“ für Psychoterror-Vorrichtungen, die auch dann losgehen, wenn jemand hustet, eine Autotüre zuknallt oder ein anderer Hund bellt. Diese ganzen „Erziehungshilfen“, wie Endloswürger, Kettenhalsbänder, Vorrichtungen, die in die Achselhöhlen oder den Hals einschneiden und empfindliche Nervengeflechte verletzen können – alles scheinbar legitime und leicht zu erwerbende „Hilfsmittel“, die im Grunde nicht durchgeführtes Training ersetzen und angeblich rasche Abhilfe schaffen sollen. Wenn in vielen Haushalten Wasserspritzpistolen und Schepperdosen oder Wurfketten einsatzbereit liegen, wenn Leute diese Dinge für harmlos erachten. Was Hundebesitzern oft angeraten wird … es ist unfassbar, von was für Absurditäten und Gefährlichem man in der Arbeit oft hört und was den Haltern allen Ernstes empfohlen wurde. 

Keine Stachelhalsbänder bitte!
Der Einsatz von Metallnäpfen zum „Verhaltensabbruch“.  Holy Shitstorm! Und berechtigt, gut so!

Unglücksfälle und traurige Zufälle, bei welchen man liebgewonnene „Tierpatienten“ verliert. Schwierige Fälle, die einen auch im Alltag und in der freien Zeit beschäftigen und „begleiten“, die manchmal Sorgen machen.

Wenn Hundevermehrer und schlechte Züchter jegliche Umweltsicherheit und Sozialisation verhindern und kranke und verhaltensauffällige Hunde verkaufen, um schnelle Geschäfte zu machen.

Ist doch schön, draußen mit Tieren arbeiten zu können!
Ist es auch, aber so ab und zu hat die Arbeit auch kleine Nachteile….

Bei Kälte, Eis, Regen und Wind fünf bis sechs Stunden draußen stehen, gute Laune behalten und Erkältungen abwehren. Bei Hitze, Sonne und staubtrockener Luft von 9.00 bis 18 Uhr draußen stehen und keinen Sonnenbrand abbekommen.
Die Arbeitszeiten, arbeiten, wenn andere Freizeit haben, arbeiten, wenn der Rest deiner Familie Wochenende hat. Für mich persönlich auch doof, nie ein komplettes Wochenende zu haben - ich bin für die Einführung eines zusätzlichen Tags zwischen Samstag und Sonntag!
Ein lieber Mensch sagte einmal zu mir: „Hättest Du halt was Gescheites gelernt!“ Der Satz bringt mich immer wieder zum Schmunzeln (ich habe ja was Gescheites gelernt…).
Menschen, die Termine vereinbaren und dann, ohne abzusagen, nicht erscheinen.
Auch mal negatives Feedback in den Trainingseinheiten oder Kursen geben zu müssen. Feedback und Verbesserungsmöglichkeiten sind wichtig, wenn man dazulernen möchte. Manchmal auch sagen zu müssen, hey, jetzt lass doch deinen Hund einfach mal Hund sein und menschliche Übermotivation zu bremsen.
Der Blick des eigenen Hundes, wenn man den ganzen Tag mit „fremden“ Hunden unterwegs war, ist auch oft nicht schön oder zumindest das, was man in einen solchen Blick hineininterpretiert. Ach ja, und der eigene Hund, der ungewollt doch irgendwie zum Aushängeschild wird. Unser Hund ist kein Werbeobjekt, er darf Familienhund sein und ist nicht perfekt – und das ist auch gut so, denn wir haben viel Spaß und vieles kann unser Hund tatsächlich super, wir sind ein gutes Team. Ich habe, ganz ehrlich gesagt, einige Zeit gebraucht, das lockerer zu sehen.
Mit dem Herrn rechts oben habe ich nichts zu tun!
Ja, insgesamt ist es wirklich ein schöner „Beruf“ und er ist die kleinen Wermutstropfen wirklich wert.

Aber man muss bereit sein, stets weiter zu lernen und  sich selbst zu verbessern. Man sollte fundiert und auf aktuellem Stand arbeiten können. Man sollte Spaß bei der Arbeit haben und Anlässe, sich zu freuen, finden können!

Halten Sie mich für vermessen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das Arbeiten über Zwang, Druck, Bedrohung, „Rudelkonzept“ und Strafe für das persönliche Seelenheil eines Trainers gut sein kann oder zufrieden macht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Freude oder Glück an Erfolgen gefühlt werden können, wenn man über Gewalt arbeitet oder diese anrät, wenn das Training nur aus „Dont´s“ besteht. Ich glaube nicht, dass Menschen, welchen Vertrauen entgegen gebracht wird, etwas vermitteln sollten, was nicht richtig und veraltet ist. Es gibt wissenschaftliche Nachweise und somit BE-weise für die Wirksamkeit eines auf der Basis positiver Verstärkung beruhenden Trainings (im Gegensatz zu den Strafmethoden, die widerlegt sind). Man müsste sich nur damit auseinandersetzen.

Und man müsste als Hundehalter einfach mehr auf den Bauch hören und auf das achten, was der eigene Hund mitteilt. Das scheint leider oft verloren gegangen zu sein.

Aber vielleicht können wir ja etwas daran ändern. Das ist doch das Ziel.

You don´t need to be a pack leader! Ehrlich! Versprochen!